Naturwissenschaften

In der 6. & 7. Klasse

Um das 12. und 13. Lebensjahr erleben viele Eltern das deutliche Wachstum ihrer Kinder. Ungefähr gleichzeitig mit den gravierenden körperlichen Veränderung ist auch eine wesentlich kritische Haltung der Jugendlichen zu bemerken. Möglichst alles wird hinterfragt und zunächst gefühlsmäßig und leidenschaftlich beurteilt. Diese Polarisierung weckt bei den frühen Teenagern ein ganz neues Interesse an unserer vielfältigen Außenwelt. Sie möchten die Welt begreifen und verstehen. Deshalb werden ab der 6. Klasse auch naturwissenschaftliche Epochen unterrichtet, zunächst die Gesteinskunde (Mineralogie) und die Himmelskunde (Astronomie), dann auch die Physik. In diesen Epochen werden die Schüler angeregt, durch eigene Beobachtungen und Empfindungen in die Naturwissenschaft vorzudringen. Fertige Ergebnisse oder Erklärungen durch Erwachsene, aus Büchern oder aus dem Internet werden deshalb möglichst vermieden. Ein „So ist die Welt“ würde individuellen Erfahrungen oder Aneignungen naturwissenschaftlicher Grundkenntnisse entgegenstehen.

Himmelskunde

Idealerweise wird der Weg beschritten, den zuvor die Menschheit auf der Suche nach Erkenntnis zurücklegte. So bleibt zunächst die Erde der Beobachterstandpunkt. Viele unserer Sternbilder waren schon in der Bronzezeit bekannt und wurden bereits in babylonischen Überlieferungen zusammengefasst. Deren heutige Namen erinnern oft an die bekannten Sagen des klassischen Altertums. Die Schüler entdecken, dass manche Sternbilder auf- und untergehen, während andere in jeder Nacht am Himmel strahlen. Mit erstaunlicher Genauigkeit finden schließlich Mittelstufenschüler unermüdlich in klaren Nächten die im Klassenzimmer besprochenen Sternbilder am Himmel wieder. Da seit jeher die Menschen dem Lauf der Sterne große Bedeutung zumaßen sollte auch der Tierkreis besprochen werden.

Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, der Sonnenlauf (Ekliptik), Mondphasen oder Finsternisse wurden von einem erdbezogenen Standpunkt aus erkundet. Neue Freude am entdeckenden Lernen spüren viele Schüler, sobald sich der Beobachtungsstandpunkt gedanklich verändert. Zum Verständnis des Sonnensystems mit seinen Planeten und Bahnen bieten sich weit entfernte Standpunkte mit Sicht auf unseren Heimatstern an. Zugleich relativiert sich der Blick auf unseren wunderschönen Heimatplaneten.

Gesteinskunde

Landschaften werden von oben durch Wasser, Winde, Temperaturschwankungen und andere erdäußere Prozesse modelliert. Die Härte der Gesteine und gebirgsbildende Vorgänge stehen dem von unten entgegen. Es gibt nichts zufällig Geformtes und vielerorts ist die uralte Entstehungsgeschichte deutlich abzulesen.

Landschaftsformen sind genauso abhängig von den in ihr verborgenen Gesteinen. Gebirgszüge aus weicheren Sedimentgesteinen sind anders geformt als solche aus härterem Urgestein oder etwa aus Plutoniten. Das erkennen viele Schüler aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz. In der Geest um Benefeld bieten die eiszeitlichen Moränen hervorragende Fundstellen für verlagerte Sedimente, sogar für die wenigen Fossilien und für nordische Urgesteine wie Granite und Porphyre. Allmählich schweift der Blick also aus den großen Landschaften über die Felsen auf die mineralische Glitzer- und Formenvielfalt. Mit Achtung, Bewunderung, vielleicht auch mit Begeisterung widmen sich Schüler schließlich dem Erkennen und Erleben von Edelsteinen.