Nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst

Nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst

Wir, Philipp (19 Jahre), Marlon (18 Jahre) und Sarina (20 Jahre) haben unseren Bundesfreiwilligendienst (BuFDi) an der Ita Wegman Schule geleistet. Im Folgenden möchten wir über einige Erfahrungen berichten.

Es begann am ersten Tag, als wir aufgeregt und neugierig erstmals in die Zweite, die Vierte und die Sechste Klasse kamen. Wir ahnten kaum, was auf uns zukommen sollte.

Jeder kam schließlich in seine feste Klasse und begleitete überwiegend diese während seines BuFDi – Jahres. Hier galt es, einzelne Schüler im Unterricht alleine oder manchmal auch in einer Kleingruppe zu unterstützen. Oft haben Kinder unterschiedliche Lernziele und benötigten deshalb unsere individuelle Betreuung. Desweiteren haben wir die Schüler bei ihren alltäglichen Diensten angeleitet, etwa beim Tisch decken genauso wie beim Abwaschen oder beim Obst schneiden. Zu unseren Aufgaben gehörte es auch, einzelne Schüler auf ihren Toilettengängen zu begleiten. Manche Kinder brauchten unsere Betreuung während vieler Pausen. Bald übernahmen wir auch teilweise oder überwiegend die Betreuung im Sozial – Integrativen – Nachmittagsunterricht. Hier durften wir Schüler der Unter- und Mittelstufe bei ihrer Erledigung von Hausaufgaben unterstützen. Natürlich begleiteten wir anschließend auch noch das Freizeitangebot.

Gelegentlich wurden wir während Vertretungssituationen auch in anderen Klassen eingesetzt. So kamen wir mit anderen Schülern, anderen Altersgruppen und auch mit anderen Lehrern in Kontakt. Einerseits war es abwechslungsreich, verschiedene Klassen im Unterricht beobachten zu dürfen. Andererseits war es auch ungewohnt auf Schüler zu treffen, die man nicht so gut kennt. Wir haben diese Herausforderung aber immer sehr gerne angenommen.

In unseren festen Klassen mussten natürlich zuerst einmal Vertrauensverhältnisse aufgebaut werden. Die Kinder haben uns das allerdings eher leicht gemacht, denn von fast allen wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Auch die Lehrer und Pädagogischen Mitarbeiter haben unsere Anwesenheit genossen. So waren wir schnell eingearbeitet und empfanden uns als vollwertigen Teil der Klassen – Teams. Wir waren gut integriert in den jeweiligen Tagesablauf.

Natürlich wurden wir auch mit Situationen konfrontiert, die uns vorerst unbekannt waren. Dazu gehörten beispielsweise Gewaltausbrüche unter Schülern, Beschimpfungen und eine Menge Geschrei. Besonders wenn die Lautstärke zunahm war es wichtig, Ruhe zu bewahren. Nur so ließen sich lautere Schüler auch wieder beruhigen. Außerdem war viel Geduld erforderlich. Denn es gibt Schüler, bei denen vieles nur sehr langsam voran geht. Auch an die Hinwendung zu Kindern mit Kommunikationsproblemen, die sich einfach sprachlich nicht ausdrücken können gewöhnt man sich. Wir mussten von und mit ihnen lernen, auf andere Art und Weise zu kommunizieren, etwa durch Mimik oder durch Gesten. Oft reichte auch einfach ein Lächeln oder das Streicheln über den Rücken. Unserer Erfahrung nach sind die Schüler froh über Begleiter in unserem Alter. So gelang es bereits nach einer kurzen Eingewöhnungszeit positive Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen aufzubauen.

Neben Authentizität und Wertschätzung war sicherlich der nicht so große Altersunterschied von Vorteil, um ein gutes Verhältnis zu den Schülern aufzubauen. Die Kinder fühlten sich von uns verstanden. Mit älteren Schülern konnte man auf einer mehr freundschaftlichen, respektvolleren Basis arbeiten. Schon aufgrund der geringeren Altersunterschiede kam es nicht zu Autoritätsproblemen. Für uns stellten wir fest, dass ein respektvoller, freundschaftlicher Umgang mit den Schülern und Entscheidungen aus dem Bauchgefühl meist zum Ziel führten. War dies nicht der Fall und kam es zu Überforderungen, sollten wir das Problem erst einmal einer Lehrkraft mitteilen. Diese professionelle Vorgehensweise, sich vorerst aus dem turbulenten Geschehen zu begeben, bis später unter neutraler Leitung ein klärendes Gespräch geführt werden kann, lernten wir schnell und gerne.

Laut unserer Erfahrung ist die Ita Wegman Schule eine sehr passende Einrichtung für einen BuFDi. Die Kinder und Jugendlichen gestalteten uns die Arbeit sehr abwechslungsreich und einzigartig. Die Kollegen kamen uns mit ihrer Wertschätzung und Hilfsbereitschaft weit entgegen. Wir durften viel lernen und fühlen uns hinsichtlich unseres weiteren Lebens- und Berufsweges wesentlich bestärkt. Für die vielen Erfahrungen sind wir dankbar. Der Abschied insbesondere von den Schülern fällt uns schwer. Aber wo etwas endet, beginnt etwas Neues. Unseren kommenden Lebensabschnitt wollen wir mit Freude beginnen und mit dem Ziel, das Gelernte aus dem abwechslungsreichen Jahr an der Ita Wegman Schule in zukünftigen Herausforderungen anzuwenden.