Michaeli in der 8. Klasse

Michaeli in der 8. Klasse

Michaelifest mit der 8. Klasse

Es gibt kaum Menschen, die nicht gerne Feste feiern. Feste vermitteln Geborgenheit, Halt und stärken das Wir-Gefühl. Sie bringen Freude und Spaß. Ein Fest mit Kindern zu feiern ist das Schönste, was man als Erwachsener erleben darf. Glitzernde Kinder – Augen, fröhliche Erwartungen, sprudelnde Energien und unglaubliche Freude entlohnen für die investierte Zeit und Arbeit zur Vorbereitung. Nicht zufällig steht das Fest des Heiligen Michael am Beginn der dunklen Jahreszeit. Zusammen mit den Festtagen des Martin und des Nikolaus bildet das Michaelifest eine Dreiheit, die die Menschen der Weihnachtszeit entgegen führt. Der Erzengel Michael

steht hierbei sinnbildlich für den Mut, der Heilige Martin für das Mitgefühl und der Heilige Nikolaus für das Gewissen.

Das Michaelifest fällt in die Herbstzeit, in der die Natur sich deutlich zurückzieht. Mit der zunehmenden Dunkelheit bereiten sich die Menschen auf den Winter vor. Im Herbst brauchten unsere Vorfahren das Vertrauen und den Mut, zu glauben, dass das Absterben der Natur nur vorübergehend ist und ein Wiedererwachen im Frühling möglich sei. Sich seinen Ängsten zu stellen, um eine schwierige Aufgabe zu lösen, Vertrauen zu haben, und um anderen zu helfen, erfordert von jedem viel Mut!.

 

Mit einer 8.Klasse Michaeli zu feiern erfordert Motivation und Überzeugungskraft. Die Unlust, Trägheit und skeptische Äußerungen der Heranwachsender tragen nicht unbedingt dazu bei, ein schönes und harmonisches Fest auszurichten. Mit „langen Gesichtern“, „rollenden Augen“ und „schleppendem Gang“ kam meine 8.Klasse in die Morgenliedhalle der Ita Wegman Schule. Die Teenager verbargen ihre Unlust im Morgenkreis nicht und starrten genervt zur Schulgemeinschaft. Gemeinsames Sprechen und Singen zeigte allerdings bald Anzeichen einer heilsamen Wirkung. Nach dem Frühstück starteten die Mittelstufenschüler klassenweise vom Basketballplatz in die Mutproben, die sich über das Schulgelände, wie auch durch die Eibia erstreckten. Wir begannen mit einer Blindführung. Jeder sollte einen Mitschüler schweigend über oder um Hindernisse herum führen. Dies erforderte Überwindung, denn der Partner musste angefasst und geführt werden. Nach Anfangsunsicherheiten und Ungeschicklichkeiten nahm man erstes leises Kichern und bald lautes Lachen wahr. Zögerliche Kontaktversuche gingen über in vertrautes Anfassen. Dies bestätigte mein Gefühl, das Richtige für die Klasse zu tun. In der nächsten Station schrieben die Schüler ihre größten Ängste auf einem Zettel und verbrannten diesen anschließend in einer Feuerschale. Das „ekelige Essen“ (Fingerkekse, Würmer und Käfer) und das Drachenblut (Traubensaft) der dritten Station bereitete allen Spaß und Freude. In der vierten und fünften Station mussten Mut und Geschicklichkeit bewiesen werden. Hochsteigen mit einem vollen Wasserglas sowie das Balancieren auf dem Baumstamm wurden durch den nächtlichen Regen und die Nässe extrem erschwert. Alle Unlust war nun längst verflogen. Mit rührender Fürsorge und unermüdlichem Einsatz halfen die Jugendlichen sich gegenseitig, um die Aufgaben erfolgreich zu beenden.

Glücklich und zufrieden betrat die Klasse zum zweiten Mal an diesem Tag die Morgenliedhalle der Schule, um am gemeinsamen Abschluss teilzunehmen. Mit Trommeln, Klatschen und Stampfen wurde das Michaelifest beendet. Rückblickend kann man sicherlich behaupten, dass die Michaeliaktionen nicht nur bei den Schülern zum Vertreiben des inneren Drachens führten. Das Zünden von inneren Lichtern oder das Erleben der Wärme und Freundschaft war vielfach zu spüren. In mir wurde dadurch Vertrauen erweckt, woraus ich Kraft und Zuversicht schöpfe.

Natalie Henning